Projekt-Partnerschaft im Denkmalschutz, zwischen Hamburg und Dar es Salaam

Worum geht es in diesem Projekt?

Der Freundeskreis Dar-es-Salaam – Hamburg e.V. befördert seit mehreren Jahren intensive Fachgespräche zwischen interessierten Denkmalschutz-Kreisen in Hamburg und dem Antiquiertes Department im Ministry of Natural Resources & Tourism, Dar es Salaam. Mit zunehmender Bedeutung von globalen und gesellschaftlichen Verflechtungen, sowohl im sozio- ökonomischen als auch im sozio-kulturellen Kontext, erhalten  diese Fachkontakte zunehmende Bedeutung für beide Metropolen.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Insbesondere auch Fragen vom zunehmenden Wandel in den Metropolen und deren Auswirkungen auf schwindende Identitäten, stehen in beiden Metropolen zunehmend im Focus. Die aktuelle Situation im Denkmalschutz, sowohl in Hamburg als auch in Dar es Salaam, bedeutend für beide Seiten eine neue Dimension hinsichtlich von fachlichen Qualitäten im Bereich Denkmalschutz.  Hier wird der Austausch im beiderseitigen Verständnis gesucht und befördert.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Über das AFP-EL-Programm haben die leitenden Kuratoren des Antiquitiy Departments aus Dar es Salaam, Herr Simon Odunga und Frau Prisca Kirway vom 16. April bis 5. Mai, einen intensiven Fachaustausch mit wichtigen Denkmalschutz Fachleuten in Hamburg geführt. Ziel war einerseits neue Fachaspekte  kennen zu lernen die die Denkmalarbeit in Dar es Salaam bereichern und fachlich weiter bringen können und andererseits einen konkreten Fachaustausch zwischen Hamburg und Dar es Salaam zu beginnen.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Mit dem Denkmalamt wurden unterschiedliche Themenfeldern ausgetauscht; Besichtigungen von Denkmalschutzobjekten und Baustellen haben die Handhabung der Denkmalverwaltung im konkreten Bezug, am jeweiligen baulichen Denkmal-Objekt, aufgezeigt. Es geht um Fragen wie die Umsetzung und Kontrolle von denkmalpflegerischen Maßnahmen und Möglichkeiten, durch systematische Erfassung und Dokumentation von den Denkmalen der Stadt. Das Denkmalkataster des Amtes wird hierzu laufend erweitert und aktualisiert. Den Kuratoren aus Dar es Salaam wird empfohlen sich über open-source Software zur digitalen Dokumentation zu informieren. Die marktgängigen Programme, wie sie in Hamburg zur Anwendung kommen, dürften für die Anwendung in Tansania zu teuer sein. Die Qualität der open-source Produkte für GIS-Systeme wird als qualitativ gleichwertig, zu den Marktprogrammen, angesehen. Für DSM wurde hier, nach Klärung des Dokumentationssystems, der Wunsch nach weiteren berufsbezogenen Fach- und Fortbildungsprogrammen für Mitarbeiter des Antiquity Department geäußert.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Mit Experten des Maritim-Museums konnten die zwei Kuratoren konkrete Fragen erörtern die, bei der Etablierung eines zukünftig geplanten „Maritim-Museum-Tansania“, von besonderer Relevanz sein könnten. Durch intensive Einführung in die unterschiedlichen Fachaspekte der Präsentationen des Maritim-Museums, konnten die Kuratoren vertiefte Einblicke in mögliche Aufgabenfelder gewinnen für ein Maritim-Museum in Tansania. Dabei ist klar, dass insbesondere der spezifische Fundus an historischen  Artefakten vor Ort die inhaltliche Gestaltung bestimmen wird. Das Maritim-Museum bietet hier bei Bedarf weitere spezifische Fachberatung an und Unterstützung im Bereich internationale Vernetzung und Kommunikation.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Mit der Stiftung Denkmalpflege wurde u.a. über die Bedeutung und die Aktionsmöglichkeiten von  gemeinnützigen Stiftungen diskutiert. Hier ging es insbesondere über Fragen der Erhaltung des baukulturellen Erbes von Hamburg. Stiftungen können hier eine besondere Rolle einnehmen um zivilgesellschaftliches Engagement zu organisieren und Stiftungsgelder zu aktivieren, um gefährdete Denkmale zu renovieren und zu erhalten. Die Kuratoren wollen prüfen inwieweit hier neue Aktionsfelder im Bereich Denkmalerhaltung in Dar es Salaam, initiiert werden können.

Es wurde das neu erworbene Denkmalschutz-Domizil der „Jugendbauhütte Hamburg“, am Moorfleeter Hauptdeich, besichtigt und Kontakt mit dem Initiator der Bauhütte, dem Architekten Johann-Christian Kottmeier,  aufgenommen. Dieses Haus soll u.a., in der weiteren Entwicklung, als eine der  möglichen Wirkungsstätten für einen Jugendaustausch der beiden Städte Hamburg und  Dar es Salaam, im Bereich von Bau- und Denkmalpflege dienen.

Es sind Vortragsveranstaltungen im Hochschulbereich durchgeführt worden. Einmal mit der HCU (FB Arch) und zum anderen mit der Universität HH ( Institut Prof. Zimmerer, FB Geschichte Afrikas, südlich des Äquators). An der HCU hat Herr Odunga über die Arbeitsfelder  vom Antiquities Department referiert. Prof. Willkomm von der HCU hat über den Umgang mit Geschichte referiert. Insbesondere ging es um die Sichtbarmachung von Geschichte durch Erhaltung von historischen Artefakten. Von Seiten Antiquities Department gibt es den Wunsch, hier auch erste konkrete Schritte von gemeinsamer Feld-Arbeit zu diskutieren. Es wurde besprochen, das eine Masterstudentin der HCU, im Rahmen der Bearbeitung einer Masterthesis, als Expertin zur Beratung im Bereich Dokumentationstechnik nach Dar es Salaam kommen wird. Über mögliche weitere Austausch-Programme wird sich die HCU mit der ADHI-University, im Rahmen der Weiterführung von Kooperationsprogrammen abstimmen.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

An der Universität Hamburg (FB Geschichte) hat Prof. Zimmerer über das wissenschaftliche Tandemprogramm zum deutschen Kolonialismus in Deutsch-Ostafrika berichtet. Das Tandemprogramm wird von Historikern in Hamburg und Dar es Salaam gemeinschaftlich durchgeführt.

Durch Reisen nach Lübeck, Bremen und Lüneburg, wurde den zwei Kuratoren, die Bedeutung von Stadtbildpflege und Erhaltung historischer Orte anschaulich gemacht.

Das Austausch-Programm soll, aus Sicht der Beteiligten,  durch einen Gegenbesuch von Hamburger Experten aus dem Bereich Denkmalschutz, in Dar es Salaam,  weitergeführt werden. Eine formale Einladung aus DSM, mit konkreten Angeboten von Austauschaktivitäten, wurde bereits ausgesprochen.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Am Ende dieser ersten Austauschphase soll in Dar es Salaam, von den aktiven Partnern dieses Programms, ein gemeinsam erstelltes „Memorandum of Understanding“, im Bereich „Antiquities&Renovation of Historic Monuments“ unterzeichnet werden. Es gibt den gemeinsamen Willen, mittel- und langfristig zu einer Verstetigung eines solchen Fachaustausches beider Städte zu kommen.

Hamburg, den 24.07.2016

Dr. Jens Rohwedder  

Freundeskreis DSM – Hamburg e.V.