Architektur in Dar es Salaam

Master Thesis: Architekturdenkmäler retten – Saving antiquities
Documentation and architectural guidelines in cooperation with
Dar es Salaam

Das Ziel meiner vierwöchigen Recherchereise nach Dar es Salaam war es einerseits über den Denkmalschutz und dessen angewendete Kriterien zu recherchieren, und andererseits den jetzigen geschützten Bestand in der „Conservation Area“ zu dokumentieren.

Hierfür habe ich mich an der Denkmalschutzliste von 1995 und dem ergänzenden Vorschlag von weiteren 110 schützenswerten Gebäuden von 2006 orientiert. Beide Listen wurden vom Ministery for Natural Resources and Tourism (MNRT), Division of Antiquities/Conservation and Technology, aufgestellt. Die Mitarbeiter der MNRT standen mir bei allen meinen Unternehmungen hilfreich zur Seite.

In einem ersten Schritt habe ich eine Kartierung und Fotodokumentation der 28 Gebäude der Denkmalschutzliste vom 1995 erstellt. Diese aufgelisteten Gebäude sind meist in einem gepflegten Zustand und in täglicher Nutzung. Nur einem – dem Forodhani Hotel – droht aktuell der Abriss durch einen Investor und eine der alten Moscheen wurde vor 18 Jahren schon ersetzt.

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Resident Magistrate Courts ca. 1891-93

In einem zweiten Schritt habe ich in Absprache mit MNRT zwei Straßenzüge als Teile eines schützenswerten urbanen Ensambles kartiert und dokumentiert. Herausgekommen ist eine Bilanz von 11 fehlenden Gebäuden aus den 2006 vorgeschlagenen 22 schützenswerten Gebäuden in den untersuchten Straßen. Das Ergebnis kann meines Erachtens als repräsentativ für die „Conseravation Area“ betrachtet werden und zeigt damit deutlich einen dringenden Handlungsbedarf.

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Old Boma ca.1862

Ergänzend zur „Feldarbeit“ habe ich diverse Gespräche und Interviews sowohl in dem Ministerium wie auch mit lokalen Akteuren, wie z.B. Frau Annika Seifert von DARCH! (Dar es Salaam Centre for Architectural Heritage) geführt. DARCH! wird vom European Development Fund (EDF) gefördert und interessant hierzu ist, dass es seit 3 Jahren keine Zusammenarbeit zwischen der „Division of Antiquities“ und DARCH! gibt, obwohl genau hier eine fruchtbare Zusammenarbeit unbedingt zu vermuten wäre.

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Ocean Road Hospital eröffnet 1897

Eine Zusammenarbeit zwischen „Division of Antiquities“ und dem Town Planning Office besteht ebenfalls nicht, obwohl dort der neue Masterplan-Entwurf – in dem auch die „Conservation Area“ verankert sein wird oder eben auch nicht – seit drei Jahren auf Verabschiedung und Umsetzung wartet. Bezeichnend für die nicht existierende Zusammenarbeit zwischen allen Akteuren: die Tanzania Building Agency (TBA), Eigentümer einiger Häuser in meinem Untersuchungsgebiet, hat kurzfristig einen vereinbarten Besprechungstermin ersatzlos abgesagt.

British Council Library 1930er

British Council Library 1930er

In einem Gespräch mit Prisca Kirway und Paul Ndahani (meine Ansprechspartner bei der MNRT) habe ich die folgende Vorgehensweise und die aufeinander basierende Reihenfolge vorgeschlagen:

 

 

– Verabschiedung eines Masterplans mit integriertem Denkmalschutz/Conservation
– Überwachung der Einhaltung der Gesetze und des Masterplan
– Inventarisierung des Bestandes, Überprüfung des Kriterienkatalogs
– Entwickeln eines Maßnahmenkatalogs und einer Prioritätenliste
– Aktionen/Instandsetzung: Restaurierung, Renovierung, Zuweisen geeigneter Neunutzungen, etc.

Motor Mart 1916-46

Motor Mart 1916-46

Mein Feldversuch hat gezeigt, dass es große Lücken in dem Wissensstand in den zuständigen Behörden und bei Mitarbeitern gibt. Niemand weiß so richtig was zu tun ist oder wie man anfangen soll. Niemand kennt sich aus mit dem – sich täglich ändernden – Bestand, den bisherigen Dokumentationen oder Grunddaten, und die Arbeitszeit geht in dem Verwaltungsakt verloren. Der Abriss wird weder dokumentiert noch kontrolliert.

Mosque Street –Adamji Building 1937

Mosque Street –Adamji Building 1937

Es wird vor allem aber eigentlich in der falschen Reihenfolge gearbeitet: ohne einen gültigen Masterplan und die Überprüfung der Einhaltung, ohne Festlegung von Grundsätzlichkeiten, ist eine jede Dokumentation und Inventarisierung des Bestandes eventuell nur bis zum nächsten Arbeitstag gültig.

Indira Gandhi Street Klinikgebäude 1935

Indira Gandhi Street
Klinikgebäude 1935

Eine sinnvolle Unterstützung z.B. durch die HCU (Dokumentation, Kartierung) oder durch das Denkmalschutzamt (beispielhafte Wissensermittlung über Vorgehensweisen) kann erst erfolgen, wenn die Voraussetzungen dafür von innen heraus in Dar es Salaam geschaffen worden sind.

 

 

 

 

8Wohn-/Geschäftsgebäude ca. 1938-1957

Wohn-/Geschäftsgebäude ca. 1938-1957

 

Marianne Haapala, HCU Hamburg